Könnten wir unsere Geschichten wechseln wie Kleidungsstücke, könnten wir jeden Morgen überlegen: „Welche Geschichte passt heute zu mir?“ Doch leider funktioniert das meist nicht so einfach wie ein Griff in den Kleiderschrank.
Manche Geschichten begleiten uns über viele Jahre. Irgendwann erzählen sie sich beinahe von selbst – ohne dass wir noch darüber nachdenken.
Manche davon haben ihren Ursprung schon in unserer Herkunftsfamilie. Wir übernehmen Sichtweisen, Zuschreibungen und Erzählungen darüber, wie wir sind und wie das Leben funktioniert.
Sätze wie „Das war bei uns schon immer so“, „So bin ich eben“ oder „Das habe ich schon als Kind gemacht“ sind keine Seltenheit.
Und diese Geschichten haben Wirkung. Sie beeinflussen, wie wir uns selbst sehen, welche Möglichkeiten wir wahrnehmen und was wir uns zutrauen.
Welche Geschichte erzählen Sie über sich?
Sind es stärkende Geschichten, dürfen sie uns gerne als Wegbegleiter durchs Leben begleiten. Geschichten darüber, was wir geschafft haben, welche Fähigkeiten wir besitzen oder welche schwierigen Situationen wir bereits bewältigt haben.
Problematisch wird es, wenn sich eine Geschichte immer wieder um vermeintliche Schwächen, Fehler oder Begrenzungen dreht:
Ich schaffe das sowieso nicht.
Ich war schon immer zu ängstlich.
Beziehungen funktionieren bei mir einfach nicht.
Ich muss alles alleine schaffen.
Je öfter wir solche Geschichten erzählen, desto selbstverständlicher können sie sich anfühlen.
Dabei ist keine Lebensgeschichte vollständig.
Vergessene Kapitel wiederentdecken
Das Verändern unserer Geschichten braucht Zeit, neue Erfahrungen und manchmal auch eine Außenperspektive.
Vielleicht gibt es Kapitel im eigenen Leben, die kaum Beachtung bekommen haben. Situationen, in denen Sie mutiger waren, als Sie heute von sich denken. Entscheidungen, die Sie getroffen haben. Krisen, die Sie bewältigt haben. Fähigkeiten, Träume oder Bedürfnisse, die irgendwann in den Hintergrund geraten sind.
Manchmal braucht es Unterstützung, um diese vergessenen Kapitel wiederzuentdecken und die eigene Geschichte aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Fragen Sie sich einmal:
- Welche Geschichte erzähle ich über mich und mein Leben?
- Welche Kapitel bekommen dabei besonders viel Raum?
- Welche Erfahrungen oder Seiten von mir sind bisher kaum erzählt worden?
- Wie würde meine Geschichte aussehen, wenn auch diese Kapitel darin vorkommen dürften?
Unsere Vergangenheit können wir nicht umschreiben. Aber wir können verändern, welche Bedeutung wir unseren Erfahrungen geben und welche Geschichte wir daraus über uns selbst erzählen.
Vielleicht macht genau das einen Unterschied: die eigene Geschichte nicht völlig neu zu erfinden, sondern sie vollständiger zu erzählen.
In meiner Praxis für Psychotherapie und Persönlichkeitsentwicklung begleite ich Sie gerne dabei, neue Perspektiven auf Ihre Geschichte zu entwickeln und bisher wenig beachtete Kapitel wieder sichtbar zu machen.
