Ich werde selbst immer wieder als Psychologin bezeichnet. Dabei bin ich Psychotherapeutin – und das ist tatsächlich ein anderer Beruf.
Psychotherapeut:in, Psycholog:in oder Psychiater:in: Die Begriffe klingen ähnlich und werden im Alltag häufig durcheinandergebracht. Alle drei Berufsgruppen beschäftigen sich mit psychischer Gesundheit – allerdings mit unterschiedlichen Ausbildungen, Schwerpunkten und Aufgaben.
Gerade wenn man selbst Unterstützung sucht, stellt sich deshalb schnell die Frage: An wen wende ich mich eigentlich mit meinem Anliegen?
Dieser Beitrag soll eine erste Orientierung geben. Er bezieht sich auf die Berufs- und Versorgungsstrukturen in Österreich.
Was macht ein:e Psychotherapeut:in?
Psychotherapeut:innen haben eine gesetzlich geregelte psychotherapeutische Ausbildung absolviert. Sie begleiten Menschen bei psychischen Belastungen, Krisen und psychischen Erkrankungen.
Dabei geht es beispielsweise darum, eigene Gedanken, Gefühle und Verhaltensmuster besser zu verstehen, belastende Erfahrungen zu verarbeiten und neue Möglichkeiten im Umgang mit schwierigen Situationen zu entwickeln.
Psychotherapie kann unter anderem bei Ängsten, Depressionen, Traumafolgen, Suchtproblemen, Beziehungsschwierigkeiten oder belastenden Lebensphasen hilfreich sein.
Kurz gesagt: In der Psychotherapie steht der therapeutische Veränderungsprozess im Mittelpunkt.
Was macht ein:e Psycholog:in?
Psycholog:innen haben Psychologie studiert und beschäftigen sich mit dem Erleben und Verhalten von Menschen. Das Berufsfeld ist sehr breit und reicht von Forschung und Wirtschaft bis hin zum Gesundheitswesen.
Für den Gesundheitsbereich wichtig: Klinische Psycholog:innen haben nach ihrem Psychologiestudium eine zusätzliche gesetzlich geregelte Ausbildung absolviert. Zu ihren Aufgaben gehören beispielsweise psychologische Diagnostik, Testungen, Beratung und klinisch-psychologische Behandlung.
Kurz gesagt: Psychologie hilft unter anderem dabei, Erleben und Verhalten zu verstehen, einzuordnen und – je nach Qualifikation – diagnostisch abzuklären oder zu behandeln.
Was macht ein:e Psychiater:in?
Psychiater:innen haben Medizin studiert und anschließend eine Facharztausbildung absolviert. In Österreich heißt das entsprechende Sonderfach Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin.
Sie betrachten psychische Erkrankungen auch aus medizinischer Sicht, führen psychiatrische Diagnostik und Behandlung durch und können bei Bedarf Medikamente verschreiben und deren Wirkung begleiten.
Kurz gesagt: Psychiater:innen verbinden psychische Gesundheit mit einer ärztlich-medizinischen Perspektive.
Und an wen wende ich mich nun?
Als erste Orientierung kann folgende Unterscheidung helfen:
Psychotherapeut:in: wenn du unter seelischen Belastungen leidest und dich intensiver mit deinen Gedanken, Gefühlen, Erfahrungen oder Beziehungsmustern auseinandersetzen und etwas verändern möchtest.
Psycholog:in bzw. Klinische Psycholog:in: wenn du eine Fragestellung genauer abklären möchtest – beispielsweise durch Diagnostik oder Testungen – oder klinisch-psychologische Beratung beziehungsweise Behandlung suchst.
Psychiater:in: wenn eine medizinische Abklärung wichtig ist, Beschwerden stark ausgeprägt sind oder Medikamente als Teil der Behandlung infrage kommen könnten.
Diese Einteilung ist allerdings keine starre Grenze.
Psychotherapeut:innen, Klinische Psycholog:innen und Psychiater:innen können bei vielen psychischen Erkrankungen zusammenarbeiten und sich mit ihren unterschiedlichen Kompetenzen sinnvoll ergänzen.
Drei Berufe – unterschiedliche Wege, ein gemeinsames Ziel
Wichtig ist nicht, alle Unterschiede im Detail zu kennen, sondern eine ungefähre Orientierung zu haben und zu wissen, dass es verschiedene Formen professioneller Unterstützung bei psychischen Erkrankungen gibt.
Vielleicht hilft dir diese Übersicht dabei, die Begriffe künftig besser einzuordnen und im richtigen Moment leichter den nächsten Schritt zu finden.